Category Archives: Religionsfreiheit

IGFM: Vietnam soll inhaftierte Buddhisten umgehend freilassen

Frankfurt am Main / Phu Yen. Wegen angeblicher „subversiver Aktivitäten“ wurden 22 Mitglieder einer buddhistischen Religionsgemeinschaft vom Volksgericht der zentralvietnamesischen Provinz Phu Yen am 4. Februar 2013 zu hohen Haftstrafen verurteilt: lebenslängliche Haft für den Gründer, Pham Van Thu, und insgesamt 299 Jahre Haft für die restlichen 21 Mitglieder, berichtet die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM). Karl Hafen, geschäftsführender Vorsitzender der IGFM, fordert Vietnam auf, die inhaftierten Buddhisten umgehend freizulassen und das Grundrecht auf Religionsfreiheit zu respektieren.

Die Verhaftungswelle gegen die buddhistische Religionsgemeinschaft „Hoi Dong Cong Luat Cong An Bia Son“ begann am 5. Februar 2012. An diesem und dem darauffolgenden Tag wurden bei einer Polizeirazzia Pham Van Thu und acht weitere Mitglieder der Religionsgemeinschaft unter dem Vorwand des „Missbrauchs der freiheitlichen und demokratischen Rechte“ verhaftet. Später wurde die Anschuldigung in „Subversive Aktivitäten zum Umsturz der Regierung“ nach Art. 79 des StGB Vietnams umgeändert, so die IGFM.

Laut Polizeibehörden habe die Gemeinschaft eine Firma gegründet, die ökologischen Tourismus auf ihrem 48 Hektar großen Besitz auf dem Berg Bia-Son anbot. Der Gemeinschaft gehörten rund 300 Mitglieder im In- und Ausland an, die „mit friedlichen Mitteln“ die kommunistische Regierung Vietnams stürzen wollen, so die Anklage. Dies bezieht sich auf konfiszierte Schriften der Gemeinschaft, in denen die Regierungspolitik kritisiert werde. Regierungstreue Zeitungen beschuldigten die Gemeinschaft, die revolutionären und sozialistischen Gedanken aus dem gesellschaftlichen Leben drängen und Zweifel an der Führung der Kommunistischen Partei Vietnams säen zu wollen.

In dem bis zum 4. Februar 2013 auf fünf Verhandlungstage angesetzten Prozess unter Ausschluss der Öffentlichkeit wurde das härteste Urteil gegen eine Religionsgemeinschaft in den letzten Jahrzehnten verhängt: Einmal lebenslang und insgesamt 299 Jahre Haft für 21 weitere Personen, verteilt auf Haftstrafen zwischen zehn und siebzehn Jahren. Ein Augenzeuge berichtete, dass die Angeklagten vehement ihre Unschuld beteuert haben. Sie sagten aus, dass sie friedliche Menschen seien und sich ausschließlich für religiöses Leben interessieren. Sie hätten keinesfalls politische Ambitionen gehabt, als sie an ihrem Umweltschutzprojekt arbeiteten. Die staatlich eingesetzten Pflichtverteidiger plädierten dagegen auf Teilschuld und Strafminderung, so die IGFM.

Die Religionsgemeinschaft wurde 1968 unter dem Namen „An Dan Dai Dao“ in Südvietnam gegründet. Nach der Machtübernahme durch die Kommunisten 1975 wurde sie verboten. Zwölf ihrer Pagoden wurden zerstört, vier Mitglieder wählten als Zeichen des Protests den Freitod durch Selbstverbrennung. Der Gründer der Gemeinschaft, Pham Van Thu, und mehrere Mitglieder wurden verhaftet und in Umerziehungslager geschickt. 1991 kehrte Pham Van Thu, der nach Freilassung ins Exil gegangen war, in seine Heimat zurück und rief seine religiöse Gemeinschaft unter dem neuen Namen „Hoi Dong Cong Luat Cong An Bia Son“ wieder ins Leben. Seit 2004 arbeitete die Gruppe an der Bewaldung und Bebauung des 48 Hektar großen Umweltschutzgebietes Bia-Son und baute es zu einer touristischen Attraktion aus. 

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IGFM: Nadarkhani sofort und bedingungslos freilassen!

Frankfurt am Main / Teheran. Der wegen Glaubenswechsel im Iran zum Tode verurteilte Pastor Youcef Nadarkhani erhält breite Solidarität und Unterstützung weltweit. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) plant 2012 über 100 Mahnwachen für die sofortige und bedingungslose Freilassung von Youcef Nadarkhani. Dank weltweiter Kampagnen wurde das Todesurteil bisher noch nicht vollstreckt. Nadarkhani war am 22. September 2010 wegen „Verbreitung nichtislamischer Lehre“ und „Abfall vom islamischen Glauben“ zum Tode durch den Strang verurteilt worden. Bisher wurden weit über 37.000 Unterschriften gesammelt und etwa 30 Mahnwachen für den Pastor abgehalten.

Um auf das Schicksal des iranischen Konvertiten-Pastoren und seiner Leidensgenossen aufmerksam zu machen und deren Menschenrecht auf Religionsfreiheit einzufordern, begann die IGFM schon Ende 2009 mit einer breiten Kampagne für Pastor Youcef Nadarkhani. Nachdem die iranischen Behörden die Haftbedingungen für den Pastor kontinuierlich verschärften, verstärkte die IGFM 2011 und 2012 ihren Einsatz. Seit Herbst 2011 wurden, neben Pressekonferenzen in Düsseldorf, Berlin und Stuttgart sowie Lichtermärschen in Hamburg und Stuttgart, über 30 Mahnwachen in vielen Teilen Deutschlands abgehalten. In Frankfurt standen IGFM-Mitglieder und Freunde dreimal vor dem iranischen Konsulat. Zudem gab es zahlreiche Veranstaltungen mit dem UN Sonderberichterstatter Iran, Dr. Ahmed Shaheed, und anderen ranghohen Politikern, bei welchen Pastor Youcef Nadarkhani und die Bedrohung von Ex-Muslimen thematisiert wurde. Vor der Berliner Botschaft fand am 1. März 2012 eine große Mahnwache, unter Beteiligung des CDU-Generalsekretärs Hermann Gröhe und der Vorsitzenden des Menschenrechtsausschusses der CDU/CSU Bundestagsfraktion Erika Steinbach, statt.

Im Jahr 2012 wird die IGFM 100 Mahnwachen für die Rettung des Pastors durchführen. Mit breitflächigen Einsätzen für mehr Religionsfreiheit und Menschenrechte soll in vielen deutschen Städten für die Brisanz des Themas sensibilisiert werden. In folgenden Städten finden in Kürze Mahnwachen statt: Karlsruhe (10.3.), München (13.3.), Wittlich (15.3.), Saarbrücken (15.3.), Frankfurt (21.3., 4.4., 18.4.). Neben den wöchentlichen Mahnwachen in Hamburg wird am 7. April 2012 ein großer Ostermarsch stattfinden. Weitere Details finden sich auf der IGFM-Webseite und auf der IGFM-Facebookseite. 

Petitionen und Patenschaftsprogramm. Des Weiteren läuft die Onlinepetition an Abgeordnete des Deutschen Bundestags unvermindert weiter. Am 9. März steht die Zahl der Online-Unterstützer bei knapp 12.000 (siehe rechte Spalte), und insgesamt bei über 37.000 Unterschriften. Im politischen Patenschaftsprogramm für politische Gefangene im Iran haben CDU-Generalsekretär Hermann Gröhe, die Ministerpräsidentin des Saarlandes Annegret Kramp-Karrenbauer, der CDU-Landtagsabgeordnete BW Peter Hauk sowie der österreichische Europaabgeordnete Othmar Karas Patenschaften für Pastor Youcef Nadarkhani übernommen. Es nehmen noch über 64 andere Patinnen und Paten im IGFM-Programm teil. Der neueste Unterstützer ist Michael Frieser, CSU, mit einer Patenschaft für den kürzlich inhaftierten prominenten iranischen Anwalt Abdol Fattah Soltani.

Pastor Youcef Nadarkhani (geboren 1977) wurde im Dezember 2006 zum ersten Mal verhaftet. Die IGFM betont, dass er mit seinem Übertritt zum Christentum und seiner Pastorentätigkeit lediglich sein Recht auf Religionsfreiheit in Anspruch genommen hat. Dieses Recht hat auch der Iran völkervertragsrechtlich bindend anerkannt. Am 12. Oktober 2009 wurde Nadarkhani erneut verhaftet. Seitdem ist der Pastor in einer Haftanstalt des Geheimdienstes in der Stadt Lakan inhaftiert. 

Am 22. September 2010 verurteilte ihn die erste Kammer des zuständigen Revolutionsgerichts, basierend auf früheren Anschuldigungen, wegen „Abfall vom islamischen Glauben“ und „Verbreitung nichtislamischer Lehren“, zum Tode. Nadarkhani ist seit Jahren der erste Konvertit, bei dem die iranische Justiz den „Abfall vom Islam“ völlig offen als Begründung des Todesurteils nennt. Die IGFM sieht darin einen Versuch der Behörden, die iranische Untergrundgemeinde noch stärker unter Druck zu setzen. 

IGFM: Auch EU-Staaten sollen sich für Youcef Nadarkhani einsetzen

Frankfurt am Main. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) fordert die Regierungschefs der EU-Staaten dazu auf, sich für den iranischen Konvertiten-Pastor Youcef Nadarkhani einzusetzen. Die IGFM befürchtet mit Verweis auf Quellen in der Islamischen Republik, dass seine Hinrichtung wegen „Abfall vom Islam“ unmittelbar bevorstehe. In Deutschland haben sich bereits über 34.000 Menschen an der Kampagne der IGFM für die Freilassung des Pastors beteiligt.

Der iranische Pastor Youcef Nadarkhani – ein ehemaliger Muslim – befindet sich seit dem 12. Oktober 2009 im Iran im Gefängnis. Am 22. September 2010 wurde er wegen “Abfalls vom islamischen Glauben” und “Verbreitung nichtislamischer Lehre” zum Tode durch den Strang verurteilt. Das Oberste Gericht bestätigte das Urteil im Juli 2011.

Bereits nach seiner Verhaftung im Jahr 2009 begannen die Aktionen der IGFM für die Freilassung des Konvertiten-Pastors. Im Rahmen des IGFM-Programms für politische Patenschaft engagieren sich in Deutschland seit dem vergangenen Jahr zwei hochrangige Politiker für den Pastor als Paten: die Ministerpräsidentin des Saarlandes Annegret Kramp-Karrenbauer und der CDU-Generalsekretär MdB Hermann Gröhe.

Auch Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP), der Vorsitzende der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Volker Kauder, der Menschenrechtsbeauftragte Markus Löning (FDP) und die Bundestagsabgeordneten Erika Steinbach (CDU) sowie Tabea Rößner (Grüne) setzten sich öffentlich für das Leben des iranischen Pastors ein.

IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin unterstrich: „Wir sind dankbar für die tatkräftige Unterstützung deutscher Politiker, die mit ihrem Einsatz mit gutem Beispiel vorangehen und mit Sicherheit wesentlich dazu beigetragen haben, dass Nadarkhani noch lebt. Jetzt ist es höchste Zeit, dass auch die Regierungen der Europäischen Partnerländer aktiver werden.“

Die IGFM setzt ihre Kampagne für die Freiheit von Pastor Nadarkhani mit Mahnwachen, Demonstrationen und Lichterterketten fort. Die nächsten Mahnwachen finden in Berlin (heute 15-18 Uhr vor der Botschaft der Islamischen Republik Iran), Hamburg (Samstag, 3.3.), Frankfurt (Dienstag, 6.3.), München (9.3.) und Karlsruhe (10.3.) fort.

Mehr Infos über Pastor Youcef Nadarkhani

Die IGFM in der Villinger Fußgängerzone

Villingen/Schwarzwald. Mit einem Info-Stand war die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) am Samstag, 2. Juli 2011 an zentraler Stelle in der belebten Villinger Fußgängerzone präsent. Plakate mit Überschriften wie “Jeder hat das Recht” in sechs Sprachen, “Stopp Christenverfolgung” und “Religionsfreiheit weltweit eingeschränkt” waren – für die Passanten gut sichtbar – auf einer Stellwand angebracht. Für einige war diese Thematik ziemlich neu. Es gab viel Zustimmung bis hin zum Antrag auf Mitgliedschaft – eine Ermutigung für alle in der Menschenrechtsarbeit Engagierten. - Heinz J. Ernst

Erneut Bibelverbrennungen im Iran

Frankfurt am Main. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) weist darauf hin, dass die Verbrennung von Hunderten von Bibeln durch die Behörden der Islamischen Republik Iran weltweit ignoriert wird. Gleichzeitig habe die Verbrennung eines einzelnen Korans in Florida durch eine winzige christliche Splittergruppe zu Regierungserklärungen, Massenprotesten, Gewaltexzessen und Enthauptungen geführt.

Wie die IGFM weiter berichtet, haben die iranischen Revolutionsgarden allein am 8. Februar 2011 etwa 300 Bibeln in persischer Sprache öffentlich verbrannt. Die IGFM kritisierte, dass in der Islamischen Republik Iran und anderen Teilen der islamischen Welt beim Schutz von Religions- und Gedankenfreiheit mit zweierlei Maß gemessen werde. Die IGFM kritisierte Bücherverbrennungen jeder Art als ein Zeichen für totalitäres Denken.

Bereits im Jahr 2010 hatten iranische Behörden mehrere hundert Bibeln verbrannt. Die jetzt verbrannten Bibeln seien Ende Oktober 2010 von den Revolutionsgarden, den „Wächtern der Islamischen Revolution“ (Sepah-e-Pasdaran), an einem Kontrollpunkt im west-iranischen Grenzengebiet aus einem Regionalbus von Salmas nach Teheran entdeckt und beschlagnahmt worden. Am 8. Februar 2011 sind die Bibeln dann zusammen mit anderen „Schmuggelwaren“ wie alkoholischen Getränken in der Ortschaft Dyrish in der iranischen Provinz West-Aserbaidschan öffentlich verbrannt worden.

Verbotene Bücher. In der Islamischen Republik Iran ist eine große Zahl von Veröffentlichungen offiziell oder inoffiziell verboten. Zu den de facto verbotenen Büchern zählen auch evangelistische Schriften und Bibeln in Farsi, aber auch säkulare Werke, die Schriften mancher reformorientierter Theologen und Veröffentlichungen von Kritikern der Herrschaft des islamischen Klerus wie Ali Daschti, einem geistigen Gegenspieler Ayatollah Khomeinis, der im Zuge der islamischen Revolution im Iran verhaftet wurde und 1981 an den Folgen der Folter starb. Daschti war bereits zuvor durch den Schah verfolgt worden und in den Jahren 1935/36 in Haft. Ali Daschtis berühmtestes Werk “23 Jahre” über den islamischen Propheten Muhammad ist zwar in Deutschland problemlos auch in Farsi erhältlich – nicht jedoch im Iran selbst.

Todesstrafe für Mission und Abkehr vom Islam. Nach dem in der Islamischen Republik geltenden Recht kann mit dem Tod bestraft werden, wer sich vom Islam abwendet oder wer einen Muslim dazu “verleitet”, sich vom Islam abzuwenden. Gleichzeitig fördert der iranische Staat die islamische Mission von Nichtmuslimen mit großem Aufwand.

Weltfriedenstag: Neue Gewalt gegen Christen

In der zum Weltfriedenstag am 1. Januar 2011 veröffentlichten Botschaft Papst Benedikts geht es um Religionsfreiheit, die in zahlreichen Ländern mit Füßen getreten wird. Der Papst will an das Los der verfolgten Christen erinnern:

„…Die Christen sind gegenwärtig die Religionsgruppe, welche die meisten Verfolgungen aufgrund ihres Glaubens erleidet. Viele erfahren tagtäglich Beleidigungen und leben oft in Angst wegen ihrer Suche nach der Wahrheit, wegen ihres Glaubens an Jesus Christus und wegen ihres offenen Aufrufs zur Anerkennung der Religionsfreiheit. Das kann man alles nicht dulden, weil es eine Beleidigung Gottes und der Menschenwürde ist; es stellt außerdem eine Bedrohung für die Sicherheit und den Frieden dar und verhindert eine echte ganzheitliche Entwicklung des Menschen…Ich fordere daher die Menschen guten Willens auf, den Einsatz für den Aufbau einer Welt zu erneuern, in der alle frei sind, ihre Religion und ihren Glauben zu bekennen und ihre Liebe zu Gott mit ganzem Herzen , mit ganzer Seele und mit allen Gedanken zu leben (vgl. Mt 22,37). Das ist die Gesinnung, welche die Botschaft zur Feier des aktuellen Weltfriedenstages, die dem Thema Religionsfreiheit, ein Weg für den Frieden gewidmet ist, inspiriert und leitet…

Die aktuellen Meldungen am Neujahrstag zeigen, dass die Verfolgungen und Gewalttaten gegen Christen 2011 wohl nicht abnehmen werden:

Ägypten. Bei einem Anschlag auf koptische Christen in Ägypten sind mindestens 21 Menschen ums Leben gekommen. Ein Sprengsatz explodierte am Samstag kurz nach Mitternacht, als die Besucher einer Neujahrsmesse in Alexandria aus der Kirche kamen, wie die Behörden mitteilten. Nach der Tat lieferten sich wütende Christen nach Angaben der Polizei und von Augenzeugen Straßenkämpfe mit den Sicherheitskräften und stürmten eine nahe gelegene Moschee. Fast 1000 Menschen hätten an der Messe teilgenommen, sagte der koptische Priester Mena Adel. Nach dem Gottesdienst seien die Besucher auf die Straße geströmt. “Ich war drinnen und habe eine starke Explosion gehört“, sagte der Geistliche. “Menschen standen in Flammen.“ Augenzeugen berichteten, vor der Kirche lagen die Trümmer eines Autos, im Umkreis hätten Leichen gelegen, zahlreiche Menschen seien verletzt worden. Die Polizei untersucht nach eigenen Angaben noch, ob der Sprengstoff in dem Wagen war oder ob eine Bombe unter dem Fahrzeug platziert war…(Aus: Welt-Online vom 1. Januar 2011)

Nigeria. Maiduguri/Jos/Abuja (idea) – In Nigeria reißt die Welle der Gewalt nicht ab. Seit Weihnachten fielen Anschlägen, die meist Christen im Visier hatten, über 100 Menschen zum Opfer. Die Christliche Vereinigung Nigerias (CAN) – der größte kirchliche Dachverband des westafrikanischen Landes – hat zum Gebet und Fasten am 1. Januar aufgerufen. Im ganzen Jahr sollen Gebets- und Fastentage für Frieden und Einheit an jedem ersten Tag eines Monats eingehalten werden. Die jüngste Anschlagserie begann am Heiligabend. Bei Angriffen auf Kirchen in der nordostnigerianischen Stadt Maiduguri (Bundesstaat Borno) wurden sechs Menschen getötet. Am 30. Dezember starben in der Stadt acht Personen bei mutmaßlich von islamischen Extremisten verübten erneuten Attacken auf Kirchen. Im zentralnigerianischen Bundesstaat Plateau ist die Zahl der Todesopfer religiös motivierter Anschläge über Weihnachten auf mehr als 80 gestiegen. Zunächst war von mindestens 32 Toten die Rede; weitere kamen durch Zusammenstöße zwischen Christen und Muslimen hinzu. Am Heiligabend waren in der Hauptstadt Jos zwei Granaten in der Nähe eines Markts explodiert, auf dem Christen ihre Weihnachtseinkäufe erledigten. Weitere Sprengkörper gingen später in einem christlichen Wohngebiet und an einer Straße hoch, die zur Hauptmoschee führt. In der nigerianischen Hauptstadt Abuja ging am Silvesterabend eine Bombe in der Nähe einer Kaserne hoch. Mindestens ein Dutzend Menschen kam dort nach ersten Schätzungen ums Leben.

Muslimische Extremisten drohen mit Anschlägen auf „Ungläubige“. Zu den Anschlägen in Nord- und Mittelnigeria hat sich die radikal-muslimische Gruppe Boko Haram bekannt. Die Polizei nahm 92 Mitglieder als Tatverdächtige fest. Die Gruppe bekämpft vor allem westliche Bildung und droht mit weiterer Gewalt gegen „Ungläubige“. Im Sommer 2009 hatte sie bei fünftägigen Unruhen in drei nordnigerianischen Bundesstaaten eine Spur des Todes und der Verwüstung hinterlassen. Mehr als 700 Personen wurden getötet und etwa 20 Kirchen zerstört, darunter katholische, pfingstkirchliche und andere evangelikale Gemeinden. Tausende Christen wurden vertrieben. In dem gemischt religiösen westafrikanischen Land kommt es immer wieder zu gewalttätigen Auseinandersetzungen. Extremisten wollen das islamische Religionsgesetz, die Scharia, im ganzen Land durchsetzen. Es gilt bereits in zwölf der 36 Bundesstaaten. Von den 140 Millionen Einwohnern Nigerias sind knapp 49 Prozent Christen, 45 Prozent Muslime und der Rest Anhänger von Naturreligionen.

Bundestag debattiert über Religionsfreiheit. Ein Kommentar.

Der Deutsche Bundestag thematisiert die Religionsfreiheit. Das ist die gute Nachricht des heutigen Tages. Dass die Koalitionsfraktionen von CDU/CSU und FDP dabei den Blick über den Tellerrand des eigenen Regierungsgebiets werfen und jenseits dessen Grenzen insbesondere die Christenverfolgung als Problem identifizieren, eine weitere gute Nachricht. Möchte man meinen.

Religionsfreiheit, die sie meinen. Bündnis90/Die Grünen sind da anderer Ansicht. Sie haben einen eigenen Antrag in die Debatte am heutigen Vormittag eingebracht und kritisieren die globale Perspektive und den Fokus auf die Christen: Auch hierzulande gäbe es Probleme mit der Umsetzung der Religionsfreiheit, auch andere Religionen seien von Verfolgung betroffen. Die Bundesregierung und die Koalitionsfraktionen, so Bündnis90/Die Grünen, seien in ihrem Ansatz zur Verteidigung der Religionsfreiheit zu sehr auf die Lage verfolgter Christen in der arabischen Welt (Nordafrika, Naher und Mittlerer Osten), China und Nordkorea „fixiert“. Man möge sich doch beispielsweise auch mal um die Kopten in Ägypten kümmern, schließlich habe sich deren Situation ebenfalls „dramatisch verschlechtert“.

Zu sehr auf verfolgte Christen fixiert? Ganz abgesehen davon, dass Ägypten ein Land in Nordafrika und ein Kopte wohl ein ganz besonders von Verfolgung betroffener Christ ist und hier eine erhebliche Inkohärenz in der Argumentation vorliegt, die wohl kaum mangelnden geographischen und/oder religionskundlichen Kenntnissen geschuldet sein dürfte, sondern billigend in Kauf genommen wird, um Zweckopposition zu betreiben, ganz abgesehen davon ist es sicher nicht verwerflich, sich um diejenige Religionsgemeinschaft ganz besonders zu kümmern, die in weit über 80 Prozent der Verfolgungsfälle betroffen ist: das Christentum. Selbstverständlich muss man sich auch um die verfolgten Bahá’í kümmern, wie die Bündnis90/Die Grünen zu Recht anmahnen, doch sollte man nicht vergessen, dass die Zahl der verfolgten Christen über 30mal höher liegt als die Zahl der Bahá’í insgesamt. In den vergangenen 30 Jahren wurden etwa 300 Bahá’í ihres Glaubens wegen ermordet. Das ist grausam und durch nichts zu rechtfertigen. Im gleichen Zeitraum wurden etwa 3 Millionen Christen ihres Glaubens wegen ermordet. Auch das ist grausam und durch nichts zu rechtfertigen. Hier unter dem Gesichtspunkt der Dringlichkeit eine Schwerpunktsetzung zugunsten der Christen vorzunehmen, erscheint nicht mehr ganz so engstirnig christdemokratisch „fixiert“, wie Bündnis90/Die Grünen glauben machen wollen.

Religionsfreiheit hier und dort. Ein weiteres Problem ist der Vergleich von Einschränkungen der Religionsfreiheit in Deutschland und Einschränkungen der Religionsfreiheit im Rest der Welt. Es ist sicher richtig beobachtet, dass auch hierzulande religiösen Menschen der Wind entgegenbläst und sich dagegen zu wehren Aufgabe aller Demokraten, doch dies mit der Situation von Christen, die unter systematischer Verfolgung leiden, auch nur ansatzweise vergleichen zu wollen, grenzt an Zynismus. Ich kann mich nicht erinnern, dass Vertreter der Bundesregierung je gefordert haben, die Ermordung von Muslimen straffrei zu stellen. Ich weiß von keinem Bischof, der dazu aufgefordert hätte, Kirchenaustrittswillige massiv unter Druck zu setzen, ihnen zu kündigen, ihnen Gewalt anzudrohen. Das gibt es hier nicht. Und das ist gut so – sehr gut sogar. Dass jedoch mit derartigen Relativierungen der Einsatz der Bundesregierung gegen die globale Christenverfolgung und für die weltweite Gewährleistung der Religionsfreiheit in ein schlechtes Licht gerückt wird, ist bedenklich. Sehr bedenklich.  Autor: Josef Bordat

Weitere Information zur Debatte: http://www.bundestag.de/dokumente/textarchiv/ 2010/30461551_kw27_sp_religionsfreiheit/index.html

Iran: Gewalt gegen religiöse Minderheiten eskaliert

Mazandaran/Iran. Kürzlich sind die Häuser von etwa 50 Baha’i-Familien im iranischen Dorf Ivel (auch Eivel umschrieben), nahe dem Kaspischen Meer zerstört worden. Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt a. M. berichtet, hatte eine aufgeputschte Menschenmenge die Zugänge zum Dorf blockiert und nur vier Radlader und mehrere LKWs in das Dorf passieren lassen, die innerhalb von zwei Tagen die Häuser der Baha’i zerstörten. „Die Verfolgung von Minderheiten im Iran erreicht damit einen weiteren Höhepunkt. Das Regime von Präsident Ahmadinedschad fördert die Intoleranz und damit Auschreitungen gegen die Baha’i. Die Einbestellung des iranischen Botschafters durch das Auswärtige Amt am 15. Juni war das richtige Zeichen in Richtung Teheran“, erklärte der IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin.

Die Baha’i des Dorfes hatten zuvor erfahren, dass muslimische Einwohner ihres Ortes Unterschriften zur Räumung oder Zerstörung ihrer Häuser sammelten. Die Baha’i wandten sich daraufhin an verschiedene Behörden und Polizeidienststellen, sowie an das Büro des Gouverneurs der Provinz Mazandaran in Sari; sie wurden jedoch überall abgewiesen oder sogar bedroht. Nach Angaben der IGFM ist die Baha’i-Bevölkerung von Ivel schon seit Jahren Opfer von Gewaltausbrüchen, Vertreibungen und Schikanen, initiiert durch islamische Extremisten und Behörden. Die im Iran entstandene Religionsgemeinschaft der Baha’i ist mit etwa 300.000 Angehörigen die größte nicht-muslimische religiöse Minderheit des Landes, noch vor den christlichen Kirchen. Die Baha’i lehnen die Scharia ab und vertreten die Gleichberechtigung von Männern und Frauen.

Auch in staatlichen Medien werde seit Jahren gegen Baha’i aber auch gegen Religionslose und Apostaten gehetzt. Nach klassischer islamischer Rechtsauffassung hätten neben dem Islam nur Christen- und Judentum, sowie der Zoroastrismus eine Daseinsberechtigung. Aus diesem Grunde würden Angehörige anderer Religionen diskriminiert oder offen verfolgt wie im Falle der Baha’i. Nach Einschätzung der IGFM verfolgen die Sicherheitsorgane des Iran Muslime, die sich von Ihrer Religion abgewandt haben und bekennende Atheisten am härtesten, denn beide Gruppen würden den Glauben an die göttliche Legitimation der Islamischen Republik besonders stark in Frage stellen.

Erst am 15. Juni 10 hatte das Auswärtige Amt den Botschafter der Islamischen Republik in Berlin, Ali Resa Scheich Attar, einbestellt. Anlass waren die drohenden Todesurteile gegen Mitglieder des Führungsgremiums der iranischen Baha’i, das von der Psychologin Mahvash Sabet geleitet wird. Staatssekretär Wolf-Ruthart Born sagte dem Botschafter, die Bundesregierung sorge sich um das Leben der sieben führenden Vertreter der Glaubensgemeinschaft; sie lehne die Todesstrafe generell ab. Der iranische Botschafter gilt als Vertrauter von Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad.

Iran: Christinnen freigesprochen, aber…

sie haben inzwischen den Iran mit unbekanntem Ziel verlassen.

Der 28-jährigen Maryam Rostampour und der 31-jährigen Marzieh Amirizadeh waren „Abfall vom Islam*“, staatsfeindliche Aktivitäten und die Teilnahme an illegalen Versammlungen vorgeworfen worden. Damit sind in der Islamischen Republik christliche Untergrundgemeinden gemeint. Die beiden Frauen saßen im berüchtigten Teheraner Evin-Gefängnis in Haft. Am 18. November 2009 waren sie unter Auflagen freigelassen worden. Im Mai 2009 hatten die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) und die Evangelische Nachrichtenagentur idea Rostampour und Amirizadeh als „Gefangene des Monats“ benannt und zur Unterstützung für sie aufgerufen. Die beiden Frauen litten unter fieberhaften Infektionen und anderen Erkrankungen. Sie mussten sich eine Gefängniszelle mit 27 weiblichen Gefangenen teilen. Im August waren sie bei einem Verhör gedrängt worden, ihrem Glauben abzuschwören. Sie antworteten: „Wir lieben Jesus. … Wir werden unseren Glauben nicht verleugnen.“ Das Hilfswerk Elam (Godalming/Südengland), das sich für Christen im Iran einsetzt, sorgte jetzt dafür, dass sie unmittelbar ins Ausland reisen konnten. Ihr Aufenthaltsort wurde aus Sicherheitsgründen nicht bekannt gegeben. Wie das Hilfswerk weiter mitteilt, bedankten sich die beiden Frauen für die Fürbitte von Christen aus aller Welt. Rostampour erklärte, sie werde zu gegebener Zeit über ihre Erfahrungen in der Haft berichten. Von den 74 Millionen Einwohnern des Iran sind 99 Prozent Muslime. Die Zahl der Muslime, die zum christlichen Glauben übergetreten sind, wird auf bis zu 250.000 geschätzt. Ferner gibt es bis zu 150.000 meist orthodoxe armenische und assyrische Christen. Quelle: idea/IGFM

*Sie waren nie wirklich Muslime, sondern sind nur in eine islamische Familie “hineingeboren”. So sehr wir uns über den Freispruch freuen, so sehr bleibt auch das Ärgernis der fehlenden Religionsfreiheit im Iran. Der Freispruch ist nur ein halber Freispruch, denn beide dürfen ihren christlichen Glauben in ihrem Heimatland nicht ausüben. Ihr Leben wäre ständig in Gefahr. – HJE 

Marokko weist ausländische Christen aus

In dem überwiegend muslimischen Land sind protestantische Entwicklungshelfer zunehmend unerwünscht: Marokko hat in diesem Jahr bereits rund 100 ausländische Christen ausgewiesen. Allein im Mai mussten 28 ausländische Christen das Land verlassen. Begründet werden die Ausweisungen mit dem Verdacht, die humanitären Helfer hätten versucht, Muslime zu missionieren, was in Marokko verboten ist. Die Betroffenen weisen diese Vorwürfe zurück; sie verfolgten rein humanitäre Ziele. Auch Vertreter einheimischer Protestanten sind besorgt über das staatliche Vorgehen. Einzelne Stimmen sprechen von „Hexenjagd“. Nach Einschätzung marokkanischer Christen geht das schärfere staatliche Vorgehen auf die Ernennung neuer Minister zurück. Kommunikationsminister Khalid Naciri kündigte am 11. März ein härteres Vorgehen gegen religiöse Abwerbung an. Christen könnten zwar ihren Glauben in Marokko frei praktizieren, dürften aber nicht missionieren. In dem nordafrikanischen Land ist der Islam Staatsreligion. Von den rund 32 Millionen Einwohnern sind nach offiziellen Angaben 99 Prozent Muslime, davon 90 Prozent Sunniten. Ferner gibt es kleine Minderheiten von Christen und Juden. Quelle: Radio Vatikan (idea/pm).