Iran: Gewalt gegen religiöse Minderheiten eskaliert

Mazandaran/Iran. Kürzlich sind die Häuser von etwa 50 Baha’i-Familien im iranischen Dorf Ivel (auch Eivel umschrieben), nahe dem Kaspischen Meer zerstört worden. Wie die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (IGFM) in Frankfurt a. M. berichtet, hatte eine aufgeputschte Menschenmenge die Zugänge zum Dorf blockiert und nur vier Radlader und mehrere LKWs in das Dorf passieren lassen, die innerhalb von zwei Tagen die Häuser der Baha’i zerstörten. „Die Verfolgung von Minderheiten im Iran erreicht damit einen weiteren Höhepunkt. Das Regime von Präsident Ahmadinedschad fördert die Intoleranz und damit Auschreitungen gegen die Baha’i. Die Einbestellung des iranischen Botschafters durch das Auswärtige Amt am 15. Juni war das richtige Zeichen in Richtung Teheran“, erklärte der IGFM-Vorstandssprecher Martin Lessenthin.

Die Baha’i des Dorfes hatten zuvor erfahren, dass muslimische Einwohner ihres Ortes Unterschriften zur Räumung oder Zerstörung ihrer Häuser sammelten. Die Baha’i wandten sich daraufhin an verschiedene Behörden und Polizeidienststellen, sowie an das Büro des Gouverneurs der Provinz Mazandaran in Sari; sie wurden jedoch überall abgewiesen oder sogar bedroht. Nach Angaben der IGFM ist die Baha’i-Bevölkerung von Ivel schon seit Jahren Opfer von Gewaltausbrüchen, Vertreibungen und Schikanen, initiiert durch islamische Extremisten und Behörden. Die im Iran entstandene Religionsgemeinschaft der Baha’i ist mit etwa 300.000 Angehörigen die größte nicht-muslimische religiöse Minderheit des Landes, noch vor den christlichen Kirchen. Die Baha’i lehnen die Scharia ab und vertreten die Gleichberechtigung von Männern und Frauen.

Auch in staatlichen Medien werde seit Jahren gegen Baha’i aber auch gegen Religionslose und Apostaten gehetzt. Nach klassischer islamischer Rechtsauffassung hätten neben dem Islam nur Christen- und Judentum, sowie der Zoroastrismus eine Daseinsberechtigung. Aus diesem Grunde würden Angehörige anderer Religionen diskriminiert oder offen verfolgt wie im Falle der Baha’i. Nach Einschätzung der IGFM verfolgen die Sicherheitsorgane des Iran Muslime, die sich von Ihrer Religion abgewandt haben und bekennende Atheisten am härtesten, denn beide Gruppen würden den Glauben an die göttliche Legitimation der Islamischen Republik besonders stark in Frage stellen.

Erst am 15. Juni 10 hatte das Auswärtige Amt den Botschafter der Islamischen Republik in Berlin, Ali Resa Scheich Attar, einbestellt. Anlass waren die drohenden Todesurteile gegen Mitglieder des Führungsgremiums der iranischen Baha’i, das von der Psychologin Mahvash Sabet geleitet wird. Staatssekretär Wolf-Ruthart Born sagte dem Botschafter, die Bundesregierung sorge sich um das Leben der sieben führenden Vertreter der Glaubensgemeinschaft; sie lehne die Todesstrafe generell ab. Der iranische Botschafter gilt als Vertrauter von Staatspräsident Mahmud Ahmadinedschad.

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